Wie ich zum Fliegen kam


Ich komme aus einer Kanusportfamilie. Schon sehr früh saß ich im Boot, anfangs im Faltboot-Zweier meiner Eltern, später im eigenen Polyester-WW-Boot. Aber schon früh faszinierte mich das Fliegen. Mit etwa 10 Jahren nahm ich an einer Ferienfreizeit teil, und wir bauten jeden Tag an einem Kleinen Uhu, ein Modellsegelflugzeug aus Balsaholz und Papierbespannung. Am Ende haben wir einen Wettbewerb ausgetragen, wessen Flieger am längsten in der Luft war, und zum krönenden Abschluß dann sind wir selbst einmal im Segelflugzeug mitgeflogen.

Aber bei fünf Kindern schafften es meine Eltern nicht, jedem einen eigenen Sport zu finanzieren, und so bin ich erstmal gern Kanu gefahren und war jeden Sommer in den Alpen und habe die Berge sozusagen aus der tiefsten Perspektive kennen gelernt, halt vom Talboden aus, in dem nunmal das Wasser läuft. Irgendwann waren wir in Frankreich an der Ardèche, und dort habe ich zum ersten Mal Drachenflieger gesehen. Und war hin und weg.

Ich habe die Aufnahmen selbst mit einer der ersten Leica M gemacht, natürlich selbst entwickelt und vergrößert.
Beides, das Drachenfliegen und das Fotografieren, sollten mich in meinem weiteren Leben begleiten.


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1987 dann machte ich zusammen mit meinem Schwager den Grundkurs in Bernau, Südschwarzwald. Ich glaube, wir waren einer der letzten Drachenkurse; Walter Wagner hat sich komplett auf die Gleitschirmschulung gestürzt. Den A-Schein machten wir im darauf folgenden Jahr bei Hari Huber, der heute im Elsass die Flugschule Papillon führt.

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Grundschulung auf dem Superfex


zoomErste Höhenflüge in Bernau


Den B-Schein machte ich schnell hinterher, 1992 folgte die UL-Schleppstartausbildung bei Jobst Bäumer.

Und dann kam Familie und Kinder, und in den ersten Jahren bin ich sehr viel weniger geflogen. Im Rückblick betrachtet finde ich das sehr richtig; Kinder werden sehr schnell groß! Ich bereue keinen Tag, den ich wegen der Kinder nicht zum Fliegen gegangen bin und erzähle das auch gern meinen Schülern. Es gibt noch so viel Zeit zum Fliegen!

Im Jahr 2000 habe ich dann die Windenschleppausbildung gemacht, einfach um mit weniger Fahrt- und Zeitaufwand öfter in die Luft zu kommen. Warum ich im selben Jahr die Doppelsitzerberechtigung machte und damit den Grundstein zur Fluglehrerausbildung setzte, das ist eine ganz andere Geschichte...

Ich fliege keine Wettkämpfe, habe das auch nie getan, genauso wenig wie ich im Wildwasser-Kanusport Rennen gefahren bin. Bei jedem Flug setze ich mir selbst mein Ziel, sei es eine Strecke, eine Höhe oder einfach nur ein konzentriertes Zentrieren der Thermik, manchmal vielleicht auch nur eine Platzrunde oder ein paar Faxen in der Luft. Leo (also Tiefflieger Leo) sagte es letztens mal sehr schön: beim Tennis bin ich erst dann gut, wenn ich annähernd gut oder besser als der Andere spiele. Beim Fliegen bin ich erst einmal immer gut und brauche keinen Gegner, um Freude zu haben.